Die Liebfrauenkirche Elmlohe. Ein kurzer Rundgang

Im Sommer ist sie schwer zu finden: Unter dem Laub hoher Bäume verborgen steht die Elmloher Kirche versteckt und doch in der Ortsmitte von Elmlohe.

Der unscheinbare Backsteinbau von 1346 wirkt eher wie ein Wohnhaus mit seiner niedrigen Fassade und den rechteckig, zweigeschossig angeordneten Fenstern. Und auch der kleine Holzturm, der die Kirche nur wenig überragt, verändert dieses Bild kaum.

Am Eingang kündet eine Kanonenkugel aus Stein (Ø 22 cm) von kriegerischen Zeiten im 15. Jahrhundert: 1485 wurde die Burg Elmlohe, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche befand, belagert und zerstört.

Wohl kaum jemand, der sich zum ersten Mal der Kirche nähert, ahnt den schönen Sakralraum hinter den schlichten Mauern.

Das kleine Kirchenschiff (18,35 m lang, 6,80 m breit) zeigt sich in warmen Farbtönen.

Die Ausstattung ist weitgehend aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten. Altar und Kanzel mit Schalldeckel stammen aus dem 17. Jahrhundert, die Wangen des Gestühls von 1718. Der älteste Teil der Empore ist mit 1672 bezeichnet.

Ist die Elmloher Kirche nun ein Gotteshaus - oder ein Menschenhaus?

An ihr lässt sich erleben, was für jede Kirche gilt: Sie ist beides, Haus Gottes und Haus, Heimat für jeden Menschen, der hier ankommt.

An der Ostwand der Kirche ist im Altarraum die sechseckige Kanzel aus der Mitte des 17. Jahrhunderts angeordnet. Wir sehen drei Evangelistenfiguren (obwohl es eigentlich vier sein müßten!) zwischen gewundenen Säulen. Ihre Schnitztechnik weist auf die Schule des berühmten Otterndorfer Bildschnitzers Jürgen Heidtmann.

Der Schalldeckel aus der selben Zeit zeigt eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes.

Davor steht der Taufstein, ein Sandsteinbecken auf einem Holzfuß aus dem 18. Jahrhundert.

Die Evangelisten-Figuren haben im Laufe der Jahre ihre Attribute verloren. Auch früher angebrachte Namensschilder sind nicht mehr vorhanden. Bei der hier gezeigten Figur soll es sich um Lukas handeln.

Der Altar ist mit der Jahreszahl 1645 versehen. Auch wenn er ein Bild, Säulen, Engelsköpfe und Vollfiguren (der Auferstandene von J. Heidtmann) zeigt, beherrschen ihn doch die in Gold gehaltenen Bibelzitate.

Die Schriftworte ranken sich auch inhaltlich um die in der Mitte dargestellte Szene, das Abendmahl. Um das Gemälde herum sind die Einsetzungsworte aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth angeordnet: "In der Nacht, da er verraten wurde..."

Diese Szene ist auf dem kleinen Gemälde (öl auf Holz) abgebildet.

Es ist deutlich, dass hier keine große Kunst entstanden ist, sondern ein Bild, das in einem sehr einfachen Stil Jesus und die Jünger als Menschen des 17. Jahrhunderts zeigt.

Dem Altar gegenüber steht auf der Empore immer noch die erste Orgel der Gemeinde aus dem 19. Jahrhundert.

Sie war ursprünglich für eine andere Gemeinde bebaut worden. Die Elmloher Gemeinde erwarb sie aus dem Nachlaß des Orgelbauers Georg Wilhem(y). 2002/2003 wurde sie aufwändig durch den Orgelbauer M. ter Haseborg restauriert.

Seit mehr als 650 Jahren finden in der Liebfrauenkirche Gottesdienste statt. Immer wieder prägen diese Gottesdienste und die Menschen, die sie feiern, das Bild der Kirche.

So verwandelt der Erntedank-Gottesdienst die Kirche traditionell in einen duftenden Garten.

Von der Menschenfreundlichkeit Gottes erzählt die kleine Elmloher Kirche. Der Raum selbst predigt und lädt ein zu Andacht und Gebet.

Zuletzt ein Blick vor die Kirche...

Um  die Kirche herum lag früher der Friedhof. Man hat einige alte Grabsteine an der Kirche aufgestellt.

Der älteste von ihnen erinnert an den 1650 verstorbenen Elmloher Prediger Hermann Schacht.

Weitere Grabsteine zeugen von der Grabkunst vergangenen Jahrhunderte. Es lohnt sich, die Motive genauer zu betrachten und die Formulierungen zu lesen und  sie zu bedenken...

                    © Text und Bilder : D. Woltmann (1992 - 2006 Pastor in Elmlohe)

 

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