Der Fundationsbrief von 1346 

 


Wer selbst nachlesen und mehr erfahren möchte, wird hier fündig:

  •  Johannes Göhler, Die Gründung der Liebfrauenkirche Elmlohe. Aus Anlaß der 650-Jahr-Feier dargestellt. Elmlohe 1996
    (Broschüre im Eigendruck)
    (für 3,--- € im Pfarramt erhältlich - z.Zt. kein Versand!)

Der so genannte "Fundationsbrief" von 1346 ist im Original nicht erhalten. Allerdings Joh. Hinr. Pratje in seiner umfangreichen Sammlung "Altes und Neues" auch den Text des Elmloher Fundationsbriefes veröffentlicht. So ist der Wortlaut bekannt. Sie können ihn hier nachlesen - im mittelniederdeutschen Original und in der hochdeutschen übertragung, die Joh. Göhler 1996 zur 650-Jahr-Feier angefertigt hat.

 

 
 

Fundationsbrief von 1346
originales Mittelniederdeutsch
 


Fundationsbrief von 1346
heutiges Deutsch
(übertragung von Johannes Göhler)


 
 

<1>

Allen Gelovigen in Christo,
de düssen Bref seen, edder hören lesen,
 

<1>

Allen, die an Christus glauben,
die diesen Brief sehen oder vorlesen hören [wünschen]

 
 

<2>

Wy Conrad Monnike, Ridder,
Hinrich, Himconies Sohne,
Johann, Warnekes Sohne, Ridder,
Hinrich, Marqvardes Sohne, Ridder, Marqvard, Erikes Sohne,
Otto, Hinrikes Sohne,
Borchmanne, genant van Bederkesa,
Lüder und Johann,
Borchmanne van der Lieth in Elmlo,
 

<2>

wir, Conrad Monnike, Ritter
Hinrich, Himconies Sohn,
Johann, Warnekes Sohn, Ritter,
Hinrich, Marquards Sohn, Ritter,
Marquard, Erichs Sohn,
Otto, Hinrichs Sohn
Burgmänner, genannt von Bederkesa
Lüder und Johann
Burgmänner von der Lieth in Elmlo,

 
 

<3>

Heile und Salicheit in dem Hern,
de den Koninge Gelücke gifft.
 

<3>

Heil und Seligkeit in dem Herrn,
der den Königen Glück gibt.

 
 

<4>

Umme mannigerley Varlicheit
und des Weges Langheit, und
umme der Todvyndtschop, de geuant twischen
uns und den Fresen iß,
dat wy in unser Moderkerken
tho Debstede
tho seker Tyden nicht mögen kamen,

<4>

Wegen der mancherlei Gefahr
und der Länge des Weges und
der Todfeindschaft, die gegenwärtig zwischen
uns und den Friesen ist,
sodass wir zu unserer Mutterkirche zu Debstede
nicht zu sicheren Zeiten gelangen können,
 

 
 

<5>

mit Rade des erwerdigen Hern und in Christo Vadern,
Herrn Otto, Erzbischofen tho Bremen,

<5>

mit Zustimmung des ehrwürdigen Herrn und Vaters in Christus,
des Herrn Otto, Erzbischof zu Bremen
 

 
 

<6>

und des erwardigen Mannes Bartholden,
Erzdiaken in dem Lande tho Hadeln und Wursten,
Stattholder des erw. H. in dem Dome tho Bremen,

<6>

und des ehrwürdigen Mannes Barthold,
Erzdiakon im Land Hadeln und Wursten,
Statthalter des ehrwürdigen Herrn im Dom zu Bremen,
 

 
 

<7>

mit Vulborde und Willen des vorsichtigen Mannes Hermann,

Pastorn der Kerken tho Debstede,

<7>

mit Einwilligung und im Einvernehmen mit dem
vorsichtigen Manne Hermann,
Pastor der Kirche zu Debstede,
                                                                                 

 
 

<8>

vorgenamen, hebben begifftet und funderet
de Kerspelkarke tho Elmelo

under genant dat Slot

und twe ander Dorper mit noch twen Dörpern,

als Drangstede, Egevelt,
Eeckhude und
Brokesmöhlen,

unde de Inwaner
scholen de Sacramente
tho ewigen Tyden also dar entfangen,
 

<8>

haben die vorgenannten gestiftet und begründet die
Kirchspielskirche zu Elmelo

dazu gehören das sogenannte Schloß
und zwei Dörfer mit noch zwei anderen Dörfern,

nämlich Drangstede, Egevelt, Eeckhude und
Brockesmühlen

Und die Einwohner (dieser Orte) sollen die Sakramente
für ewige Zeiten hier empfangen.

 
 

<9>

dat de Pastor der Karken tho Debstede, durch disse Fundacion der nyen Karken neen Nadeel hebben scholde,
hebben wy dem Pastor, edder sinen Nakomelinge,
de dar alsedenne iß,
sekere Rente, in Platzen und Orden, ehm wohlgelegen, besorget,

mit Bewillinge unser aller Arven, den idt ankumt, und ankamen mag, wo dat wy overwyset hebben,

und mit düssem jegenwardigen averwysen tho ewigen Tyden tho besitten, up düsse Wyse, wy,

 Conrad, Ridder, ein Mat Roggen caspelmate in Siverden, in den Güderen, de tho ändern Tyden besittet hefft Sive Gernundes,

Hinco den naiven Tegenden mit dem Smaltegenden in Drangstede, in den Güderen, de besittet hefft Dirik mit den graven Behnen,

Johann ein Molt Roggen in dem groten Dorpe tho Elmelo, uth den Güderen, de besittet hefft Lambert, Haiewange genomet,

Henrick, Marqvarts Sohne, 18 Himbten Havern, genomet Spiker Hempten, und ein Hamborger Schepel, genomt Kruselpenning in Siverden, uth den Güderen, de besittet hefft Boleke genomet,


Marqvard, Erikes Sohne, ein Molt Roggen in Ringstede uth den Güderen, de nu besittet Stagge;

Otto, Henricks Sohn, söß Himpten Roggen in Kuhrstede, uth den Tegenden und Huse tho ändern Tyden Borcherts; de desse Bute to ändern Tyden beseten hefft Claus Frese;

Lüder van der Lieth van myner wegen, und Johann, mynes Frundes wegen, in Siverden veertein Himbten Roggen, Spiker Hembten gebeten, in den Tegenden der Güder Dirick Hansen, genomet Johann Wibeke, bonen Kindes kindes, Bebeken Tetes genant, und veer Himbten Havern uth den Güderen Johann Wybeken, carspelmate,

ahne jenige Weddersprake offte Insage: darbaven de Inwaners der vorbenomten Dörper, van ein ieder halve Buw scholen alle Jahr den vorbenomten Pastorn tho Debstede geven
3 Himten Kornes,
einen Himten Roggen,
einen Himten Gersten,
einen Himten Havern,
noch ein ide Kothwere söß Penning Hamburger,
und scholen desulven bringen, edder se senden dem Kerckheren in syn Huß up S. Dionysius Dag gänzlick.

<9>

Damit der Pastor der Kirche zu Debstede durch die Gründung der neuen Kirche keinen Nachteil haben sollte,
haben wir dem Pastoren und seinen Nachfolgern,
wie es auch kommen mag,
sichere Einkünfte an wohl gelegenen Plätzen und Orten
verschafft,
dazu das Einverständnis aller unserer Erben, die es jetzt angeht oder später angehen mag, eingeholt.

Wir haben übereignet und stiften mit dieser Beurkundung zum ewigen Besitz, wir

Conrad, Ritter, ein Maß Roggen vom Kirchspielsmaß in Siverden, aus den Gütern, die zu anderen Zeiten Sive Gernundes besessen hat.

Hinco den halben Zehnten und den Schmalzehnten aus Drangstedt, aus den Gütern die Dirik mit den graven Benen besessen hat.

Johann ein Molt Roggen aus dem großen Dorf zu Elmelo, aus den Gütern, die Lambert, Halewange genannt, besessen hat.

Henrich, Marquards Sohn, 18 Himpten Hafer, Spikaer Himpten genannt und einen Hamburger Scheffel, Kruselpennig genannt , aus Siverden aus den Gütern, die einer besessen hat, der Boleke genannt wurde.

Marquard, Erichs Sohn, ein Molt Roggen aus Ringstede aus den Gütern, die jetzt Stagge besitzt.

Otto, Henrichs Sohn, sechs Himpten Roggen in Kuhrstede, aus dem Zehnten und dem Haus, das zu anderen Zeiten Borchert gehörte. Dessen Hof hat zu anderen Zeiten Claus Frese besessen.

Lüder von der Lieth gibt für sich selbst und für Johann in Siverden vierzehn Himpten Roggen, nach dem Spikaer Himpten genannt, aus dem Zehnten der Güter von Dirik Hansen, genannt Johann Wibeke, des Kindes von bonen Kindes, Bebeken Tetes genannt und vier Himpten aus den Gütern von Johann Wybeke nach dem Kirchspielsmaß.

Ohne jeden Wiederspruch oder Einrede sollen darüberhinaus die Einwohner der vorgenannten Dörfern von einem jeden Halbbau (Hof) in jedem Jahr dem vorgenannten Pastor zu Debstede
3 Himpten Korn (Weizen)
einen Himpten Roggen,
einen Himpten Gerste,
einen Himpten Hafer
und eine jede Kätnerstelle sechs Hamburger Penning
demselben (selbst) zu bringen oder dem Kirchherren in sein Haus am St. Dionysius-Tag vollständig überbringen zu lassen.
 

 
 

<10>

So de Dorplüde vorbenomt,ofte örer welcke in der Betalinge versumelick worden,

und dem Pastor in Elmelo dorch den Pastor in Debstede de Versumlicheit und Vertoch geapenbaret und witlick worde, schall he ane unser Weddersprake densulven in den Bann doen,

 

<10>

Wenn aber von den vorgenannten Dorfleuten einige bei der Bezahlung (der Abgaben) in Verzug geraten sollten
und dem Pastor in Elmelo die Verweigerung der rechtzeitigen Ablieferung durch den Pastor zu Debstede mitgeteilt wird,
soll dieser alle Säumigen ohne jeden Einspruch in den Bann tun.

 

 
 

<11>

des averst uthgenamen, dat de Inwaner und merer scholen up de Sente tho Debstede up bestembde Tydt erschienen,

<11>

Unberührt (von dieser neuen Rechtsetzung) sei aber, dass die Einwohner und alle, die sich in deren Grenzen befinden zum Sendgericht zu Debstede zur festgelegten Zeit erscheinen sollen.
 

 
 

<12>

unde also wy samtlick mit den Dorplüden, van alle Gerechtigkeit und der Sacramenten Gebruke und Entfangen scholen uthegenamen und fry syn,

<12>

Jedoch sollen wir sämtlich mit den Dorfleuten von allen rechtlichen Verpflichtungen (alle Gerechtigkeit) und dem Gebrauch und Empfang der Sakramente (im Kirchspiel Debstedt) ausgenommen und frei sein.
 

 
 

<13>

jedoch dat wy dem Archidiaken des Landes tho Hadelen und Wursten scholen gehorsam syn mit den Dorplüden der vorbenomeden Dörper, alse rede und recht iß.
 

<13>

Unberührt davon bleibt, dass wir dem Archidiakon des Landes Hadeln und Wursten zusammen mit den Dorfleuten der vorgenannten Dörfer Gehorsam schulden wie es Rede und Recht ist.
 

 
 

<14>

Und in Getüchniße der Warheit syn unse Segel hirunder angehangen,

so gegeven im Jahre der Bordt Christi dusent, drehundert, soß unde veertig up Pingestedag.
 

<14>

Zum Zeugnis der Richtigkeit sind unsere Siegel hierunter angehängt.

Gegeben im Jahre der Geburt Christi tausend, dreihundert, sechs und vierzig am Pfingsttag.

 
 

Originaltext : Joh.Hinr. Pratje, Altes und Neues Bd.11, Seite 111

 


Originaltext : Joh.Hinr. Pratje, Altes und Neues Bd.11, Seite 111

 

(In Klammern gesetzt: verdeutlichende Zufügungen Göhler)

 

 

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